Friedrich Naumann

 

Als Pfarrer Friedrich Hugo Naumann 1867 seine pfarramtliche Tätigkeit in Lichtenstein aufnahm, war sein Sohn Friedrich sieben Jahre alt. Er wurde am 25. März 1860 in Störmthal bei Leipzig geboren. Nach dem Besuch der Lichtensteiner Bürgerschule lernte Fried­rich in Leipzig am Nikolai-Gymnasium und später an der Fürstenschule "St. Afra" in Meißen. Hier legte er 1879 das Abitur ab. In den Städten Leipzig und Erlangen studierte er Theo­logie.

Sein erstes Pfarramt trat er 1886 in Langenberg bei Hohenstein-Ernstthal an und wirkte dort bis 1890. In diesem Jahr nahm Friedrich Naumann das Angebot der Inneren Mission an, als Vereinsgeist­licher in Frankfurt am Main zu arbeiten. In dieser Tä­tigkeit erfuhr er starke soziale Impulse. 1897 schied Naumann aus dem Pfarrdienst aus, um sich ganz der Politik widmen zu kön­nen, und zog nach Berlin. Von 1907 -1912 gehörte er dem Deutschen Reichstag an. Naumann war der geistige Führer für das Zusammenwirken der liberalen und demokratischen Kräfte, die in der Verwirklichung des Volksstaates die einzige Möglichkeit für ein Überleben inmitten einer friedlosen Welt sahen. Die im November 1918 gegründete Deutsche Demokratische Partei wählte ihn zu ihrem Vorsitzenden. Als Politiker erfasste er schon zu Beginn des Jahrhunderts die Sozial- und Wirtschaftspolitik als das zentrale Thema der Zeit. 1918 gründete Friedrich Naumann die "Staatsbürgerschule", eine freie deutsche Hochschule für Politik (seit 1920 Deutsche Hochschule für Politik), in der Bürger aller Schichten, jeden Alters und beiderlei Geschlechts lernen konnten, ihre Interessen zu vertreten und politische Prozesse kritisch zu begreifen. Nicht Parteiprogramme waren die Grundlage des Unterrichtes, das Lernziel lautete vielmehr Transparenz gesellschaftlicher Institutionen und politischer Vorgänge.

Im Mai 1919 kam Friedrich Naumann zu einem letzten Aufenthalt nach Lichtenstein, und zwar zu einem Frühlingsfest der Fortschrittlichen Volkspartei. Über tausend Menschen aller Parteirichtungen trafen sich hier im Garten des "Goldenen Helm", um den berühmten Landsmann zu sehen und zu hören. Nach dem Krieg versuchte Naumann erfolglos, das Mehrheitswahlrecht durchzusetzen, und war wesentlich mit dem Sozialdemokraten Meerfeld an der Abschaffung des Staatskirchentums beteiligt. Seine Zukunftserwartungen hat er zuletzt in seinem Buch "Mitteleuropa" zu Papier gebracht. Am 24. August 1919 starb Friedrich Naumann während eines Genesungsurlaubes an der Ostsee.

 

Quelle: (1)