Jubiläumsjahr- 25 Jahre Verein für Geschichte der Stadt Lichtenstein

Aus Anlass des bevorstehenden Jubiläums nutzte der Verein das diesjährige Sommerfest, um Rückschau zu halten, sich dazu Gäste einzuladen und auch die Erfolge zu feiern.


Der Vereinsvorsitzende zog mit folgender Rede Bilanz über 25 Jahre erfolgreicher Vereinsarbeit.



25 Jahre Verein für Geschichte der Stadt Lichtenstein –

25 Jahre aktive Vereinsarbeit

 

 

Sehr geehrter Herr Mario Schreckenbach

Sehr geehrter Herr Peter Daetz !

Liebe Vereinsmitglieder und Ehepartner,

Liebe Mitstreiter!

 

Dieses Jahr haben wir es geschafft – ein Vierteljahrhundert Geschichtsverein. Ich freue mich, dass wir dieses Jubiläum mit Freunden hier begehen können.

 

Wir haben 25 Jahre auf unterschiedlichen Gebieten zahlreiche sichtbare Spuren hinterlassen und wesentlich das Interesse an der Lichtensteiner Geschichte bei den Bürgern geweckt. Damit ist und bleibt der Verein ein wertvolles Potential für die weitere Erforschung sowie den Erhalt des Wissens über die Geschichte unserer Stadt. Auch wenn zwischen Verein und den Mitarbeitern in der Stadtverwaltung nicht immer Überstimmung bestand, gab es letztendlich Ziele unter denen wir immer zusammenfanden.

 

Gemeinsam sind wir in den 25 Jahren grau geworden und haben dennoch eine neue Vaterschaft. Unser Sohn – das Schloss Lichtenstein wurde 2014 neu geboren.

25 Jahre - was gäbe es heute dazu alles zu berichten. Es fällt mir schwer aus der unzähligen Menge an Aktivitäten das richtige herauszugreifen.

 

Vereinsgründung

 

Das Jahr 1990 hatte eine Wende in der Kulturpolitik in unserer Stadt gebracht. Das alte Heimatmuseum lag seit rund 30 Jahren am Boden und hatte sich mit seinen vielen Gegenständen ins Nichts aufgelöst. Eine Stadtchronik war das letzte Mal 1966 erschienen, aber die Heimatliebe in Lichtenstein aber war nie verloschen. Deshalb wuchs auch nach 1990 das Interesse in der Bevölkerung und der Stadtverwaltung sich wieder voll diesem interessanten Thema zu widmen.

 

Gleichzeitig im Sommer 1990 begann der damalige Rat der Stadt Lichtenstein zur Belebung des Tourismus verschiedene notwendige Baumaßnahmen zum Erhalt des Schlosskomplexes durchzuführen. Es bestand großes Interesse die historische Bausubstanz in der Stadt zu erhalten, Führungen wieder am Schloss durchzuführen und die Erforschung der Stadtgeschichte wiederzubeleben.

 

Im August 1990 erfolgte deshalb ein Aufruf von der Stadtverwaltung an alle Bürger zur Gründung einer Interessengemeinschaft „Lichtensteiner Stadtgeschichte und Museum". Diesem Aufruf folgten damals 20 interessierte Bürger in den Ratsaal des ehemaligen Callnberger Ratshauses unter Anwesenheit vom Bürgermeister und dem Kulturamt. Alle waren sich einig, dass der beste Weg einer erfolgreichen Tätigkeit über eine Vereinsbildung führt. Daher bestimmte man umgehend eine vierköpfige Arbeitsgruppe, dass die Arbeit als potenzieller Vorstand in Gang setzen sollte. Auf der Zusammenkunft der Interessengemeinschaft am 30. Oktober 1990 erfolgte die Besetzung eines designierten Vorstandes. Daraufhin erfolgte am 28. November 1990 die erste designierte Vorstandssitzung über die Führung eines zukünftigen Vereinsnamen, die Bildung von Arbeitsgruppen, die Auswahl eines Versammlungsraumes, die Festlegung der Höhe des Mitgliedsbeitrages, die Anmeldung beim Kreisgericht, die Ausarbeitung einer konkretisierten Vorlage der Satzung, usw.

 

Am 4. Dezember 1990 fand die erste Mitgliederversammlung statt. 23 Mitglieder hatten sich in die Vereinsliste eingetragen. Es wurde einstimmig der Vereinsname „Verein für Geschichte der Stadt Lichtenstein/Sa. e. V." beschlossen und der erste Vorstand gewählt.

 

Probleme traten mit der Vereinseintragung auf, was nicht unsere Schuld war. Die Bürokratie beim Kreisgericht und dessen langsame Bearbeitungsweise ließen unseren Antrag im Zeitlupentempo dahintreiben, so dass die Eintragung in das Vereinsregister erst am 13. November 1991 erfolgte. Erst zu diesem Zeitpunkt konnten wir über ein Vereinsbankkonto verfügen. Daraus erfolgte auch der Beschluss des Vorstandes, den Vereinsbetrag erst ab 1992 zu kassieren.

 

Die Arbeit des Vereins war nicht einfach. Darüber bestand von Anfang an Klarheit. Etwa ein Drittel der damaligen Mitglieder hat den Verein wieder verlassen, weil sie zum Teil auch von falschen Vorstellungen über dessen Wirken ausgingen. Dafür kamen neue Mitglieder hinzu, so dass sich die Vereinsstärke heute auf 31 Mitglieder angewachsen ist. Alle wussten damals, dass die Gegenwart nur gestaltbar ist aus dem Wissen über die Vergangenheit. Nicht zuletzt schrieb unser unvergessene Lichtensteiner Heimatforscher, Oberlehrer Hugo COLDITZ, über seine Beiträge zur Stadtgeschichte im damaligen „Lichtenstein-Callnberger-Erzähler“

 

„Das Wissen von der Heimat - stärkt die Liebe zur Heimat".

 

Alle unsere Veranstaltungen, Ausstellungen und Publikationen sind diesem Spruch untergeordnet und wurden trugen damit wesentlich zur Bereicherung des kulturellen Angebotes in unserer Heimatstadt bei.

 

Museum

 

Damals die wichtigste und heutige abgeschlossene Hauptaufgabe war die Wiedereröffnung des Museums der Stadt Lichtenstein/Sa. Dazu erfolgten eine Reihe von Initiativen, Ausstellungen im Luthersaal, Umfragen und eine Unmenge an persönlichen Gesprächen mit den Stadträten über den Nutzen eines Museums für unsere Stadt und nicht zuletzt das persönliche Interesse unseres Bürgermeisters gemeinsam mit unserem Verein das Stadtmuseum wieder zu eröffnen. Als Grundlage diente dazu der am 9. Juni 1994 gefasste Ratsbeschluss. Es folgte die Bildung einer Arbeitsgruppe Museumsaufbau unter Leitung von Peter WILHELM von 1996 bis 1999. Am 27. Februar 1999 konnte schließlich das Museum im Obergeschoss des Ratskellergebäudes wieder eröffnet werden.

 

Vorträge

 

Einen der Schwerpunkte unserer Vereinstätigkeit bildeten die öffentlichen Vorträge. Darin wurden von unseren Vereinsmitgliedern und Gastrednern bei 155 Veranstaltungen unzählige Aspekte der Orts- und Regionalgeschichte behandelt. Die über 2000 Gäste, die wir dazu bis heute begrüßen konnten waren des Lobes voll.

 

Die Statistik nennt:      

 

Ø  140 Vorträge

Ø  5 Buchlesungen

Ø  4 Videovorträge

Ø  5 Filmvorführungen

Ø  1 Hutz‘nohmd

 

Nicht unerwähnt sollen auch unsere Beiträge an der Vortragsreihe "Museumskaffeeklatsch" des Stadtmuseums bleiben.

 

Ausstellungen

 

In den 25 Jahren Vereinstätigkeit zählen auch neun eigene Ausstellungen, die sich im Wesentlichen am jeweiligen Jahresende dem Thema Weihnachten in Bezug auf das erzgebirgische Brauchtum und der erzgebirgischen Volkskunst bezogen. Zu den Ausstellung pilgerten in den Anfangsjahren bis zu 2.500 Besucher - Besucherzahlen von dem der Museumsalltag träumt. So konnten wir in unserer Weihnachtssternausstellung 2005 den Gästen rund 6.000 Sterne zeigen. Ein anderes Thema war dem Jubiläum „75 Jahre Vereinigung der Städte Lichtenstein und Callnberg im Jahre 1920“ gewidmet.

 

Parallel dazu zur Pflege unseres Weihnachtsbrauchtums gestalteten wir erstmals 1995 eine orientalische Weihnachtskrippe. Alle Figuren dazu wurden aus Spenden der Bevölkerung finanziert. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit wird diese Krippe für die Bevölkerung zu Schau gestellt und zur Freude von Groß und Klein gern betrachtet.

 

Stadtführungen

 

Ab 1991 – 2003 fanden von einigen Vereinsmitgliedern wieder öffentliche Stadtführungen für Erwachse aber auch für unsere ganz kleinen Lichtensteiner auf herkömmlicher Art und Weise statt. Den Anfang dazu machte unser unvergessene Werner BARON. Im Jahr 2002 z. B. boten wir gleich fünf Führungen mit unterschiedlichen Inhalten an.

 

Abendliche öffentliche Stadtführung

 

Eine ganz neue Sache war für uns die 2004 begonnene "Abendliche Stadtführung". Unter dem Motto: „Hört, ihr Leut, und lasst euch sagen ..." - Geschichten zur Nacht" - ein Rundgang mit dem Nachtwächter bilden einen der Höhepunkte unserer Öffentlichkeitsarbeit. Inzwischen sind es 23 abendliche Stadtführungen geworden und die Qualität der Darbietungen hat sich enorm gesteigert. Der damit im Zusammenhang angeschaffte Kostümfundus zeigt vom großen Engagement unserer Mitglieder.

 

Im Schnitt konnten wir in den letzten Jahren zwischen 80 bis 180 Gäste zählen. Die meisten kamen 2009 – insgesamt 217 Teilnehmer! Dem Nachtwächter Christian BRETSCHNEIDER, heute eine beliebte Identifikationsfigur in unserer Stadt, der seit einigen Jahren auch vom Callnberger Nachtwächter Manfred GEYER begleitet wird sowie seinen Mitstreitern an dieser Stelle noch einmal unseren besonderen Dank. Der Höhepunkt war 2012 das von ihm organisierte „Türmer und Nachtwächtertreffen“ zum 800-jährigem Stadtjubiläum mit über 310 historisch interessierten Teilnehmern.

 

Festumzug 26.8.1996

 

Nach 550 Jahren jährte sich 1996 auch die erste urkundliche Erwähnung Lichtensteins als Stadt, was Thema eines großen Stadtfestes wurde. Darin eingebunden der Festumzug im Rahmen der 1. Sächsischen Landesgartenschau. Als Berater und Bildverantwortliche haben wir im Festumzug viel Zeit dafür aufgebracht.

 

Schlosskomplex

 

Eine hervorragende Bedeutung für die Arbeit des Vereines hatte damals die historische Aufarbeitung des Schlosskomplexes und der unterirdischen Ganganlagen.

 

Seit 1991 wurde von der Stadt am Schlosskomplex viel investiert aber auch ursprüngliches zerstört oder verändert. Im Juli 1995 wurden die instandgesetzten Schlossanlagen für die Bevölkerung zur Besichtigung freigegeben werden. Wir konnten das Eröffnungsband zerschneiden über die Entstehung der Ganganlagen informieren und eine erste Führung anbieten. Die Besucher jedenfalls nahmen diese Führungen durch unsere Vereinsmitglieder dankbar an.

 

Aber diese Freude währte nicht lang. Mit dem Verkauf des Schlosskomplexes im Jahre 2000 durch das Bistum Meißen an den Prinz Alexander von Schönburg-Hartenstein wurde diese Arbeit zum Stillstand gebracht bzw. vernichtet.

 

Wichtig ist auch die Erwähnung, dass wir bei der Gestaltung Ecke Schlossberg/Topfmarkt unsere Spuren hinterlassen haben. Entsprechend einer Anfrage des Bauamtes der Stadtverwaltung 2006, gab es sechs verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten für eine geplante Betonwandfreifläche zur Erinnerung an das Marktleben am Topfmarkt. Letztendlich wurde unser Vorschlag, zwei Sandsteinsäulen mit Kugel, welche in ähnlicher Form auf der Schlossallee bis Anfang der 1970er Jahre gestanden hatten, am Schlossberg aufzustellen, umgesetzt. Leider wurden dank des Stadtbauamtes daraus klobige „viereckige" Säulen die einen fasst erschlagen.

 

Auch bei Straßennamenvergaben wurden wir gefragt, ließen eine Gedenktafel für Hugo COLDITZ und eine Straßenelle am Ratskeller anbringen.

 

Publikationen

 

Einen weiteren wesentlichen Beitrag lieferten unsere Vereinsmitglieder bei der Herausgabe von Publikationen oder aktiver Mitarbeit bei der Entstehung. Der Bildband „So war Lichtenstein/Sachsen in Wort und Bild" bildete den Anfang gefolgte von „Willkommen auf Schloss Lichtenstein - dem Wahrzeichen unserer Stadt im Grünen". Danach kamen noch weitere acht Veröffentlichungen hinzu.

 

Nicht zu vergessen die zahllosen Beiträge in der Zeitschrift „Zwischen Mülsengrund und Lichtenstein" in den Jahren 1994 – 1997.

 

Postkarten

 

Zu dieser Aufzählung gehören die drei Sonderpostkarten „75 Jahre Vereinigung von Lichtenstein und Callnberg 1920 – 1995“, „300 Jahre Callnberg“ und „800 Jahre Lichtenstein“.

 

300 Jahre Callnberg

 

Beim Stadtfest 300 Jahre Callnberg“ wirkte ab 2005 der Vorstand aktiv in Arbeitsgruppe für dieses festliche Ereignis mit. Im Rahmen der Festwoche 2008 erfolgte von uns eine Vielzahl an Unterstützungen, wie z. B. beim Festakt mit einer Präsentation von alten und neuen Ansichten vom gleichen Standort. Unmittelbar nach diesem begann an der Sport- und Kulturhalle in Callnberg unsere 5. abendliche öffentliche Stadtführung, die am nächsten Tag noch einmal wiederholt wurde. Hinzu kommt auch eine wesentliche Mitarbeit an der Festbroschüre, das Anbringen von Gebäudeschildern, die über das darin befindliche ehemalige Gewerbe oder einer Gaststätte informierten, einen Vortrag und nicht zuletzt der Betreuung des in Lichtenstein geboren bekannten Karikaturisten Erich RAUSCHENBACH.

 

Zusammenarbeit mit anderen Vereinen

 

Weiterhin ist es uns ein Bedürfnis auch in Zukunft weiter und eng mit allen uns befreundeten Vereinen, Interessengemeinschaften und Institutionen zusammenarbeiten. Im Rahmen unsere Möglichkeiten unterstützen wir uns kameradschaftlich und halten dort auch Vortrage.

 

Vereinsleben

 

Natürlich soll auch das gesellige Vereinsleben nicht zu kurz kommen. Dazu gehören auch unsere Vereinslokalitäten. Die meisten können sich sicherlich nicht mehr an alle erinnern. In insgesamt 10 Lokalitäten und Räumlichkeiten waren wir zu Hause. Gern wären uns ein paar weniger lieber gewesen, aber die wirtschaftlichen Gegebenheiten ließen einige schließen oder wurden aufgelöst.

 

Höhepunkte bilden ab 2004 unsere Sommerfeste auf Schloss Lichtenstein. Auf Grund der angespannten Verhältnisse des Schlosseigentümers mit der Stadtveraltung war das betreten des Grundstücks ab 2008 nicht mehr möglich. Daraufhin stellte uns Herr Peter DAETZ uneigennützig sein Grundstück auf den Schlosshangwiesen dafür zur Verfügung. Die letzten Sommerfeste fanden wegen einer gewissen Wetterfestigkeit hier im „Finkenschlag“ statt.

 

Auch zahlreichreiche Ausfahrten bereicherten unser Vereinsleben, die wir heute nicht mehr vermissen wollen. Insgesamt haben wir bis heute 33 Exkursionen durchgeführt.

 

Die runden Geburtstage waren ein Mekka des Spaßes und der witzigen Einlagen und die Weihnachtsfeiern sind stets der Tradition geschuldet.

 

Ab und zu gibt es auch traurige Seiten und ich möchte, dass wir heute und hier auch an unsere bereits verstorbenen Mitglieder gedenken und diese weiter in Erinnerung behalten. In der Reihefolge des Ablebens gedenken wir an:

 

Ø  Gerhard LANGHAMMER,

Ø  Gerhard KLÖTZER,

Ø  Max EBERSBACH und unseren

Ø  Werner BARON.

 


Schluss

 

Betrachtet man diese Fülle der Aktivitäten, dann wird deutlich, dass wir mit unseren Mitgliedern außerordentliches in den 25 Jahren geleistet haben. Es gehört schon sehr viel Enthusiasmus dazu, sich solchen Aufgaben so ganz nebenbei zu widmen. Dabei ist zu bedenken, dass in unserer marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaft natürlich jede rein ehrenamtliche Arbeit auch ihre Grenzen hat und zwangsläufig haben muss. Aber wir machen unsere Vereinsarbeit gern. Der Vorstand bedankt sich heute noch einmal bei allen Vereinsmitgliedern, bei allen Partnern und Vereinen für bisherige freundschaftliche und gute Zusammenarbeit.

 

Um unsere neuen Vorhaben weiter bestreiten zu können, ist es unumgänglich, den Mitgliederstand zu erhöhen. Dafür halten wir es für notwendig, Personen aus unseren Bekanntenkreis weiter anzusprechen, die an unseren Themen außerordentliches Interesse zeigen. Dazu bildet das Schloss mit den beiden damit verbundenen Veranstaltungen jetzt sicherlich noch ungeahnte Möglichkeiten.

 

Ich möchte nun das Glas erheben und auf unser Jubiläum gemeinsam mit unseren Gästen und Ehepartnern für eine weitere erfolgreiche Zukunft unseres Vereins anzustoßen.

 

Prost!

Lichtenstein, 17 Juli 2015

 

Uwe Querengässer

Vorsitzender Verein für Geschichte der Stadt Lichtenstein/Sa.